Donnerstag, 21. September 2017

Spuk: Dunkle Geschichten von Markus K. Korb

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Inhalt: Normalerweise schreibe ich hier eine kurze Zusammenfassung der Geschichte oder wenn es sich um Kurzgeschichten handelt, auch schon mal um Zusammenfassungen der einzelnen Geschichten. Das geht hier aber nicht, dafür sind die Geschichten teilweise wirklich zu kurz.

Meine Meinung:
Was unterscheidet Spuk von Horror?
Spontan würde der eine oder andere sicherlich: "Nichts" antworten. Beides ist gruselig und je besser die Geschichte, desto größer ist unser Drang danach bei Licht zu schlafen.
Für mich habe ich allerdings eine andere Antwort gefunden. Horror ist laut und greifbar, die Geschichten sind oft blutig und gewalttätig, theoretisch kann man sich gegen diesen Horror auch wehren, weil er in einer greifbaren Form auftritt.
Spukgeschichten sind anders, in ihnen kommt die Angst leise daher, sie schleicht sich in unsere Gedanken und setzt sich fest, sie zermürbt uns nicht nur psychisch, auch physisch.

Sind Spukgeschichten eigentlich noch zeitgemäß? Fehlt ihnen nicht der Schockmoment, die sicht und fühlbare Gefahr, Blut und Gewalt?
Markus K. Korb hat bewiesen, das dem nicht so ist. Schon die erste Geschichte "Nachtgespenst", die amüsanter Weise aus der Sicht des Gespenst geschrieben ist, weckte in mir die Erinnerungen an meine Kindheit, in der überall in den nächtlichen Schatten im Kinderzimmer, böse Geister lauerten.
Manchmal vermischt er Horror und Spuk "Das Lied der Äolsharfen" ist gleichermaßen unheimlich wie grausam.
Meine Lieblingsgeschichte im Buch ist "Spukzeit- ein Märchen" in der eine Mutprobe etwas anders verläuft als geplant, mehr kann ich euch auch hier nicht verraten, dann müsstet ihr die Geschichte nicht mehr lesen.
Nicht jede Geschichte konnte mich überzeugen "Die Quote" z.B. hat eine gute Grundidee aber etwas hat mich gestört, der Schreibstil des Autors war etwas anders als bei den anderen Geschichten. Auch der Aufbau der Geschichte gefiel mir nicht so, zunächst wird der Leser zu einer klassischen Spukgeschichte geführt, in dem ein altes englisches Anwesen die Hauptrolle zu spielen scheint um am Ende doch zu einer komplett anderes Story zu führen.

Überwiegend haben mir die Geschichten gefallen und wenn ihr wissen wollt, wie Mary Shelley auf die Idee zu ihrem Meisterwerk "Frankenstein" kam, klickt auf das Cover, wenn ihr euch traut (man weiß nie was einen erwartet) und schon seid ihr auf der Verlagsseite.

Das Cover wurde gestaltet von Mark Freier.

  • Taschenbuch: 285 Seiten
  • Verlag: Amrun Verlag; Auflage: 1 (22. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958695639
  • ISBN-13: 978-3958695634



Dienstag, 19. September 2017

Bittere Liebe an der Ruhr von Monika Dettering und Horst-Dieter Radke

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Normalerweise meide ich Krimis in denen die Protagonisten im Notfall eine Telefonzelle suchen müssen. Diesen hier habe ich ganz bewusst gewählt, denn er spielt zwar in den 50er Jahren, wurde aber erst in der Gegenwart geschrieben. Ich erhoffte mir, ein klassisches Szenario ohne den Staub der Jahrzehnte, einen Krimi vor der Kulisse der Nachkriegszeit in einer spanndenen Zeit des Aufbruchs.
Und da im Klappentext von dramatischen Ereignissen im Umfeld der Literatur, gesprochen wird , musste ich das Buch unbedingt lesen.

Die Handlung an sich ist spannend, ein wie erwartet klassischer Fall, den Kommissar Pogel und sein Team aufzuklären haben. Die Autoren haben es geschafft, die besondere Atmosphäre der damaligen Zeit auferstehen zu lassen, die Vorurteile gegen Menschen die anders denken, anders leben und anders lieben. Kommissar Poggel und sein Team konnten mich überzeugen, sie sind sympathisch und effizient.

Warum es mich trotz allem nicht ganz überzeugen konnte, liegt einzig und allein an einer Protagonistin des Buches: Anna Puff, die Zimmerwirtin des Kommissars, selbsternannte Hobbydedektivin und eine Nervensäge, mit der ich es im echten Leben keine 5 Minuten aushalten würde. Wenn ich darüber nachdenke, lag es wohl hauptsächlich an ihrem Ruhrpott Dialekt, mit dem ich in gehörter Form ohne weiteres klar komme, in geschriebener Form ist es sehr anstrengend zu lesen. Den kurzen Abschnitt im Dialekt als Bestandteil des Klappentextes, hatte ich für einen cleveren Marketing Gag gehalten, der auch durchaus gelungen wäre.

Mein Fazit: Gute Handlung, sehr gut eingefangenes Lokalkolorit, ich fühlte mich fast zurückversetzt in die nicht immer gute Alte Zeit. Weniger von Anna Puff wäre für mich ganz persönlich mehr gewesen.
Mit einem Klick auf das Cover seid ihr, wie immer, direkt beim Verlag.

  • Taschenbuch: 250 Seiten
  • Verlag: edition oberkassel; Auflage: 1 (14. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958131085
  • ISBN-13: 978-3958131088

Montag, 18. September 2017

Gastrezension von Bärbel82 zu Alternativen von Leif Tewes

Zu besonderen Büchern, veröffentliche ich gern mal eine Gastrezension.

Heute lasse ich Baerbel82 zu Wort kommen.




„Tag Null“ und „Blutzucker“ hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Alternativen“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen brisanten Roman noir hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
„Alternativen“ erzählt die Geschichte zweier Männer. Auf der einen Seite Thomas, ein Normalo, der sich von den Thesen der rechtspopulistischen Partei »Die besseren Deutschen« blenden lässt. Auf der anderen Seite Farim, ein Deutscher mit tunesischen Wurzeln, der sich vom IS verführen und für einen Anschlag rekrutieren lässt.
Der Frankfurter Kommissar Berg und seine Kollegin Landers ermitteln währenddessen in einem tödlichen Autounfall, bei dem ein Hoffnungsträger der DbD ums Leben kam…
Der Kriminalfall spielt hier eigentlich nur eine Nebenrolle. Spannend ist vielmehr die Entwicklung der beiden Protagonisten. Gekonnt seziert Leif Tewes deren Gesinnung und Gefühle. Es gibt viele Parallelen zwischen Thomas und Farim, beide radikalisieren sich. Eigentlich sind sie gar nicht so verschieden. Die Figuren sind natürlich überzeichnet, die Geschichte voller Klischees. Aber es gibt eben nicht nur Schwarz und Weiß, sondern Vielschichtigkeit.
Erst als - kurz vor der Bundestagswahl - in Frankfurt eine Bombe explodiert, werden die Ermittlungen forciert. Die Spuren führen nach Duisburg, die Stadt, in der Farim geboren ist. Aber ist es wirklich so einfach? Nicht nur Berg kommen Zweifel…
Selbst wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut - und gehalten. Gut gefallen haben mir die Dialoge zwischen Berg und seiner Frau und, dass es auch wieder einen Soundtrack zum Roman gibt.
Natürlich muss man eine Weile über die im Buch mitgeteilten Fakten grübeln und sie erst einmal verdauen. Positiv ist zu vermerken, dass der Autor nie den mahnenden Zeigefinger hebt. Zitat: „Aber ich will den Lesern deutlich zeigen, dass es immer noch andere Wege gibt als die einfachen Scheinwahrheiten von Verführern und Populisten.“
Fazit: Gelungener Mix aus Realität und Fiktion. Ein brandaktuelles Thema bestens recherchiert. Ein Buch mit Herzblut. Ich bin begeistert!

  • Taschenbuch: 300 Seiten
  • Verlag: Größenwahn Verlag; Auflage: 1 (3. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3957711622
  • ISBN-13: 978-3957711625