Donnerstag, 15. Dezember 2016

Ende der Welt von Thomas Pyczak


Inhalt:
Der Student André erreicht auf seiner Reise durch den amerikanischen Kontinent das Ende der Welt, Ushuaia in Feuerland. Aus seinem Tagebuch erfährt der Leser von seinen Gefühlen und Gedanken, seiner Liebe zu Stella, die er in Hamburg zurückließ und die er, fasziniert von der Yamana Dolores, fast vergisst.
Gespräche Andrés, mit Robert einem alten Österreicher, der auf seiner ersten Reise nach Ushuaia die Yamana studieren wollte und den der Ort seitdem nicht mehr losließ, lassen einen kleinen Einblick in die Kultur der Indianer zu. 
22 Jahre später reist Stella mit ihrem Sohn Jan nach Ushuaia. Die Stadt am Ende der Welt soll nur eine Zwischenstation auf ihrer Kreuzfahrt sein, doch dann verschwindet Jan, genau wie André Jahre zuvor, spurlos.
Meine Meinung: Erst hatte ich kleine Schwierigkeiten, mich mit dem Schreibstil anzufreunden. Tagebucheintragungen haben immer etwas sehr Persönliches, man dringt sehr tief in das Privatleben des Schreibenden ein und davor habe ich naturgemäß Hemmungen, auch wenn es sich um ein fiktives Tagebuch handelt.
Ich konnte mich aber schon bald völlig einlassen auf das Seelenleben Andrés, der sich auf ein Abenteuer begibt, wie es sich wohl viele junge Menschen wünschen, eine Reise quer durch Amerika bis ans Ende der Welt, um zu sich selbst zu finden und um herauszufinden, was er von seinem Leben erwartet. Ein junger Mann, der am Ende seiner Reise noch mal in Versuchung geführt wird, sein bisheriges Leben vielleicht doch hinter sich zu lassen.
Im zweiten Teil des Buches, lernen wir Stella und ihren Sohn Jan kennen, Jan weiß so gut wie nichts von seinem Vater, Stella hat ihn allein großgezogen und sich immer geweigert mit ihrem Sohn über André zu sprechen.
Etwas, das mir die Frau zutiefst unsympathisch gemacht hat, jedes Kind hat das Recht so viel wie möglich über seine Eltern zu wissen. Überhaupt mochte ich Stella nicht, sie ist arrogant und selbstherrlich, nur in wenigen Momenten, wenn sie z.B.an ihren Sohn denkt, konnte sie das ein klein wenig ausgleichen.
Aber auch Stella, scheint am Ende einen Wandel durchzumachen, sie findet Antworten und bekommt so die Chance ihr Leben neu zu sortieren und vielleicht irgendwann auch andere Menschen in ihr Leben zu lassen als nur ihren Sohn.
Die verzweifelte Suche nach ihrem Kind ist glaubhaft beschrieben. Die Widerstände, denen sie begegnet, die Unfähigkeit und der Unwillen der örtlichen Polizei in dem Vermisstenfall zu ermitteln, ließen mich als Leser so manches Mal an einem guten Ausgang der Geschichte zweifeln. Hilfe bekommt sie schließlich von völlig unerwarteter Seite, denn Carmen die Mitarbeiterin eines Reisebüros scheint mehr zu wissen.
Ein Buch, das beginnt wie ein Reisebericht eines unreifen jungen Mannes, der vielleicht hofft, auf dieser Reise Klarheit über sich zu finden und das sich zu einem spannenden Thriller entwickelt, ist schon etwas Besonderes und bekommt von mir eine Leseempfehlung. Thomas Pyczak hat mich neugierig gemacht, auf die Menschen in Ushuaia und auf Feuerland.
Nachtrag: Im Laufe der letzten Woche während der Livelesungen hatte ich die Gelegenheit dem Autor Fragen zu stellen, zu seinem Buch, den Protagonisten und ihren Beweggründen und ich konnte mit anderen Lesern darüber diskutieren. Das war eine ganz besondere Erfahrung, denn seine Antworten mussten spontan kommen, er konnte nicht lange überlegen und so auch ehrliche und ungeplante Antworten geben. Meine Sicht auf das Buch hat sich geändert, das ist jetzt schwer in Worte zu fassen, sie ist nicht besser oder schlechter. Nur anders.
Eins hat sich nicht geändert, ich mag Stella immer noch nicht, aber ich kann sie besser verstehen.


  • Taschenbuch: 270 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 1 (11. Juli 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1535234954
  • ISBN-13: 978-1535234955


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